Disney im Deutschen Fernsehen
Teil 2 - Das ZDF übernimmt

Im März 1961 fasste die ARD den Entschluss, einen zweiten Kanal in die deutschen Haushalte zu bringen. Das Projekt ARD 2 war jedoch von Problemen einzelner Länder, speziell Bayern begleitet, die statt dessen ein eigenständiges Regionalprogramm verlangten. Im Februar des Jahres wurde bereits eine Forderung Konrad Adenauers per Gerichtsurteil zurück gewiesen, das Deutsche Fernsehen zur Staatssache zu machen, im März folgte der Beschluss über eine zentrale Sendeanstalt des öffentlichen Rechts. So ging zwar nach einem einmonatigen Testlauf in Hessen ARD 2 am 1.6.1961 offiziell auf Sendung, war jedoch alsbald zum Scheitern verurteilt, da nur 5 Tage später der Staatsvertrag mit dem ZDF in Kraft trat. Da diese jedoch noch einige Zeit brauchten, um technisch "auf der Höhe" zu sein, einigte man sich, ARD 2 einzustellen, sobald das ZDF für eine Ausstrahlung bereit sei. Dies geschah am 1. April 1963. Die ARD setzte parallel schließlich die Idee eines Regionalprogramms um, welches zunächst zwischen 18:00 und 20:00 Uhr ausgestrahlt wurde. Nach dem bisherigen Datenstand brachte die ARD am 2. August 1963 mit der Wiederholung einer Disneyland-Folge zum letzten Mal Material ihres Disney-Konvolutes ins Programm.

Natürlich hatte die ARD keinen Exklusiv-Vertrag mit Disney abgeschlossen - wozu auch, wenn es gar keine Konkurrenz gab. Sie machte allerdings den "Fehler", das Disneymaterial sporadisch und recht konzeptlos auszustrahlen. Dieses Versäumnis nutzte nun der frischgebackene ZDF-Redakteur Günter Bartosch, der mit einer Idee im Gepäck in die USA flog, um Disney auf die Seite des ZDF zu ziehen. Im Schlepptau dabei TV-Liebling Lou van Burg, der wegen eines unschönen Eklats von der ARD verbannt wurde und nun fürs ZDF als Conférencier des vorgeschwebten Sendeformats dienen sollte. Die Idee war einfach: Die Struktur der Disneyland-Show zu übernehmen und ins Deutsche umzuwandeln, statt lediglich Dosenmaterial zu liefern. Pro Sendung sollte jeweils ein aktueller Kinofilm (o.ä.) fokussiert und mit weiterem Material unterfüttert werden. Bartosch erhielt den Zuschlag.


links Günter Bartosch, rechts Lou van Burg
ganz oben: Das Team während seiner US-Geschäftsreise zu Besuch in Disneyland

Mit einer Auftaktsendung namens Fröhliche Weihnachten wünscht Zaubermeister Merlin (mit Lou van Burg in der Rolle des Zauberers) startete Bartosch als Regisseur am 24.12.1964 die ZDF-Disney-Offensive, die später den Titel Walt Disneys bunte Welt erhielt. Es war die Aufzeichnung einer Weihnachtsfeier aus dem Kurfürstlichen Schloss in Mainz und hatte, wie man unschwer erraten kann, den Film Merlin und Mim als Hauptthema, welcher bei uns am 17.12. des Jahres gerade frisch im Kino anlief. Fortan sollte jedes Jahr zu Weihnachten eine Sondersendung dieser Art produziert werden (dazu gleich mehr). Bereits am 4.12., auch das sei gesagt, starteten Bartosch & Burg parallel die Spieleshow Der Goldene Schuß, welche vom Start weg ein großer Erfolg wurde und deutsche Fernsehgeschichte schrieb.


Lou van Burg als Weihnachts-Merlin


Es folgen die offiziellen Folgen von Walt Disneys bunte Welt mit Beteiligung von Lou van Burg, so wie sie inhaltlich bislang recherchiert werden konnten. Wie gesagt wurde stets ein aktueller Disney-Film oder, da ja nun nicht alle Naselang ein neuer Kinofilm anlief, eine umgewandelte Disneyland-Folge in den Mittelpunkt gerückt; die jeweilige Episode wurde dann mit Material gestreckt, welches thematisch zum Hauptthema passte. Dass dieses alles vorab von der Simoton bearbeitet wurde, ist in diesem Fall belegt.


Walt Disneys bunte Welt
moderiert von Lou van Burg
jeweils ausgestrahlt am 1. Dienstag des Monats um 18:55 Uhr (25 min.)
Sendetermin Thema / Im Fokus Näheres zum Inhalt Ausschnitte / Cartoons
05.01.1965 - ? -
- ? -
- ? -

- Bambi
- Schneewittchen
- div. Cartoonszenen

02.02.1965 Der Zeichentrickfilm

(The Story of the Animated Drawing)

Hier wurde u.a. die links erwähnte Disneylandfolge von 1955 mit Walt Disney gezeigt. Anschließend gab's Micky Maus in seiner Rolle als Zauberlehrling zu sehen (nicht Teil der Originalshow)

- Fantasia
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06.04.1965 Gesang

(Ein Gruß aus Wien)
Kinostart: 09.04.1965

- - Funny little Bunnies
04.05.1965 - ? -
- ? -
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- ? -

01.06.1965 Raumfahrt

(Mondgeflüster)
Kinostart: 05.03.1965

- - Der Mensch im Weltraum
06.07.1965 Der wilde Westen

(Donald Duck geht nach Wildwest)
Kinostart: 23.11.1965

(Geronimos Rache)
Kinostart: 04.06.1965

Nachdem zunächst Donald Duck durch das Intro aus The Donald Duck Story vorgestellt wird (welches auch im Kino gezeigt wurde), bietet die Sendung allerlei Material um das Wildwest-Thema.

- Two-Gun Goofy
- Pecos Bill (Melody Time)
- Californy 'er Bust
03.08.1965 Musik

( - ? - )

- - The Band Concert (oder >)
- Symphony Hour
07.09.1965 Autos

( - ? - )

Angeblich war hier auch ein Ausschnitt mit Donald & José Carioca zu sehen, was aus der DL-Folge Two Happy Amigos (1960) stammen könnte (Vermutung).

- Two Weeks Vacation
- Mickey's Trailer
05.10.1965 Kindererziehung

(Mary Poppins)
Kinostart: 22.10.1965

- - Spare the Rod
02.11.1965 Detektive

(Emil und die Detektive)
Kinostart: 20.08.1965

Gezeigt wurde u.a. der Ausschnitt einer Disneyland-Folge, in der Donald's Crime mehr schlecht als recht integriert wurde.

- How to be a Detective
- Donald's Happy Birthday
- Donald's Crime
07.12.1965 Hunde

(Susi und Strolch)
(Kinostart: April 1965)

Hier wurde lediglich der erste Teil der Disneyland-Folge A Story of Dogs gezeigt, welche damals (1954) ebenfalls die Werbetrommel für Susi & Strolch rührte.

- ? -


Neben der regulären Sendereihe erfolgten auch bislang 3 erfasste Sondersendungen, die unter dem Titel Disneys Wunderland ausgestrahlt wurden. Die Merlin-Folge, wenn auch noch nicht so betitelt, kann man so gesehen auch dazu zählen. Die nächste dieser Sendungen wurde am 16. Januar 1965 ausgestrahlt, 11 Tage nach Beginn der regulären Sendung Walt Disneys bunte Welt.

"Zum Start der neuen Serie des ZDF in Zusammenarbeit mit der Disney-Produktion besucht Lou van Burg den berühmten Schöpfer vieler erfolgreicher Filme persönlich. In dem großen Gelände mitten in einem Wunderland der Filmwelt ist es gar nicht so einfach, den Weg zu Walt Disney zu finden. Erst nach abenteuerlichen Erlebnissen gelingt es, den Chef aufzuspüren. Hierbei und auf dem Weg, den Lou van Burg durch das Studio nimmt, wird nicht nur er, sondern auch der Zuschauer einen interessanten Einblick in die Arbeit des phantasievollsten aller Hollywood-Produzenten nehmen können."

Also wenn hier nicht The Reluctant Dragon mit van Burg in der Rolle Robert Benchleys nachgespielt wurde, dann weiß ich auch nicht.

Die nächste Folge war dann sozusagen der Abschluss der oben aufgelisteten "Staffel" und lief am Ersten Weihnachtstag, dem 25.12.1965. Durch das Programm führte hier nun allerdings nicht Herr van Burg, sondern die damals beliebte Schauspielerin Marianne Koch ... meiner Generation auch bekannt als Ratemitglied in Was bin ich? oder als Werbefrau für die Goldkanten-Gardinenmarke Ado. 1964 konnte man sie im Italo-Klassiker Für eine Handvoll Dollar bewundern. Obwohl Mary Poppins bereits Oktober im ZDF vorgestellt wurde, führte Frau Koch in Verkleidung der bezaubernden Nanny ein paar Kinder vor Ort und das Publikum zu Hause durch die Bavaria Filmstudios und zeigte zwischendurch einige Filmausschnitte, darunter natürlich Mary Poppins, Merlin und Mim, Schneewittchen sowie Szenen aus dem Spielfilm Aufruhr im Spielzeugland. Auch zu sehen waren Pinguin Pablo aus Die Drei Caballeros und das Featurette Goliath II.

Am 25.12. des Folgejahres 1966 wurde die Weihnachtsidee (als Disney-Wunderland) noch einmal adaptiert. Diesmal - Disneys Meisterwerk war noch immer in aller Munde - schlüpfte Gardy Granass in die Rolle der Mary Poppins. Frau Granass hatte ihre Hohezeit in der Heimatfilmphase der 50er Jahre. Ein Knaller war dann noch einmal ihr Mitwirken in Francis Durbridges legendärem Straßenfeger Das Halstuch (1962), bevor ihre Karriere vor der Kamera allmählich abklang. Synchrontechnisch war sie auch gelegentlich unterwegs. Ihre bekannteste Rolle hier dürfte wohl als Mutter Ingalls (Karen Grassle, alte ARD-Synchro) in Unsere kleine Farm gewesen sein. Aber zurück zur Sendung: Vermutlich wurden auch hier wieder Ausschnitte aus dem Film Mary Poppins selbst gezeigt; dazu packte man Winnie Puuh und der Honigbaum, Peter Pan, erneut Szenen aus Schneewittchen sowie Die drei kleinen Schweinchen.

  
links Marianne Koch, rechts Gardy Granass

in der Übersicht
24.12.1964 Fröhliche Weihnachten wünscht Zaubermeister Merlin Lou van Burg
16.01.1965 Disneys Wunderland Lou van Burg
25.12.1965 Disneys Wunderland Marianne Koch
25.12.1966 Disney-Wunderland Gardy Granass

Warum die von Günter Bartosch so hoch angepriesene Sendereihe MIT Lou van Burg letzten Endes nur eine Staffel durchhielt, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Ich denke, dass der charmante Moderator mit seiner Sendung Der Goldene Schuß am Ende genug um die Ohren hatte und sich lieber darauf konzentrierte. Da er keinen offiziellen Vertrag mit dem ZDF hatte, konnte er es sich auch leisten, Dinge abzulehnen. 1967 kam es dann zur leidigen Durand-Affäre, die ich hier wirklich nicht aufdröseln möchte (schlag nach bei Wikipedia). Wie sich später heraus stellte, nutzte das ZDF den Eklat nur, um aus einem Knebelvertag mit einer Schweizer Produktionsfirma zu kommen. Wie auch immer, für van Burg war für die nächsten Jahre im ZDF erst einmal der Ofen aus. Der Goldene Schuß wurde dem Kollegen Vico Torriani übertragen, einem Schweizer ... ganz schön kurios, im Zusammenhang gesehen.

Die Fernsehanstalt hatte allerdings vice versa auch nicht ihr Disney-Material exklusiv mit dem Namen Lou van Burg verknüpft. Neben den "regulären" Sendungen wurden ab Oktober 1965 auch reine Disneyland-Folgen (in bearbeiteter Form) ausgestrahlt. Diese wurden unterschiedlich betitelt, manchmal als Disneys bunte Welt, Disney-Land oder auch nur unter ihrem jeweiligen deutschen Episodentitel. Zunächst parallel zur Mittwochsshow van Burgs am Samstag (hier meist nur in 25 Minuten Länge) ausgestrahlt, übernahm dieses Format schnell auch den Wochensendeplatz - zunächst am Dienstag, später dann wieder am Mittwoch. Für mich sieht es so aus, als ob man zunächst trickfilmlastiges Material der Woche vorbehalten und am Samstag mehr in Richtung Naturfilm gehen wollte. Im weiteren Verlauf kam es jedoch zu einem kunterbunten Gemisch.

In der folgenden Übersicht habe ich noch dazu geschrieben, welches Material einer Originalshow bereits in der ARD zur Anwendung kam. Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine ARD-Folge hier 1:1 übernommen wurde; das ZDF schnippelte sich aus dem Material seine eigene Show zusammen. Es sei auch hier noch einmal erwähnt, dass nun Friedrich Schoenfelder die deutsche Stimme von Walt Disney wurde und damit ARD-Stimme Herbert Stass ablöste. D.h., dass es von mind. 10 Disneyland-Shows zwei Synchronfassungen gibt.

Reine Realfilmfolgen ohne Trickanteile wurden wie üblich grün markiert. Des Weiteren verlinke ich diesmal nicht die Originalshows mit meinen Seiten, wo Näheres dazu gelesen werden kann, das würde im optischen Chaos enden. Abschließend: Auch diese Liste muss nicht zwangsläufig vollständig sein.


Disneyland-Anthologien (übergeordnet unterschiedlich betitelt)
Sendetermin Folgentitel fundamentale Originalshow Format "Wdh. v. ARD"
23.10.1965 Große und kleine Welt Disneyland goes to the World's Fair

45 min.

-
20.11.1965 Ich - Donald Duck!

The Donald Duck Story (+)
A Day in the Life of Donald Duck

45 min.

-
05.04.1966 Mit Walt Disney unter Wasser Operation Undersea

45 min.

1955
03.05.1966 Unternehmen Tiefsee (Wdh. ?)

45 min.

28.05.1966 Im Tal der Biber Beaver Valley / Cameras in Africa

25 min.

1958
12.07.1966 Magie der Straße

Magic Highway, U.S.A.

45 min.

-
03.08.1966 Professor Quack und die Fliegerei Fly with Von Drake

45 min.

-
27.08.1966 Vagabunden im Tierreich The Crisley Story / Prowlers of the Everglade

25 min.

-
07.09.1966 Von Katzen und Kätzchen

The great Cat Family

45 min.

1966
24.09.1966 ???? ????

25 min

-
28.09.1966 Väter sind auch Menschen A Salute to Fathers

45 min.

-
29.10.1966 ????

????

25 min.

-
09.11.1966 Zwischen Erde, Mars und All Mars and Beyond

45 min.

-
26.11.1966 Micky Maus' Abenteuer The Adventures of Mickey Mouse

25 min.

1958
07.12.1966 Immer Ärger mit den Nachbarn

The mad Hermit of Chimney Butte

45 min.

-
31.12.1966 Donald Duck - total verrückt Inside Donald Duck

25 min.

-
04.01.1967 Unser Freund das Atom Our Friend the Atom

45 min.

1957
28.01.1967 Wasservögel

A Trip through Adventureland / Waterbirds

25 min.

1958
08.02.1967 Mit Tute, Flöte, Fiedel und Tschigderassabum
(Wdh. 06.12.: Heut machen wir Musik)
Toot, Whistle, Plunk and Bloom

45 min.

-
25.02.1967 Ungeheuer der Meere Monsters of the Deep

25 min.

1956
01.03.1967 Alles Hexerei

All about Magic

45 min.

-
25.03.1967 Im Land der Bären Rapids ahead / Bear Country

25 min.

1958
05.04.1967 Freizeit ein Vergnügen! How to Relax

45 min.

-
15.04.1967 Walt Disneys bunte Märchenwelt

From Aesop to Hans Christian Andersen

45 min.

-
06.05.1967 So bist Du Donald Duck! This is your Life, Donald Duck

25 min.

-
27.05.1967 Wunder der Tiefe Mysteries of the Deep
(24min. Kurzfilm, der nie Teil einer Disneyland-Folge gewesen war)

25 min.

(lief 1960 in deutschen Kinos)
07.06.1967 Professor Quack auf Mittelmeerkreuzfahrt

Mediterranean Cruise

45 min.

-
05.07.1967 Zeichentrickparade The Story of the Silly Symphony

45 min.

-
02.08.1967 Goofy als Fünfkämpfer The Goofy Cavalcade of Sports

45 min.

-
Ab hier begann das deutsche Farbfernsehen im ZDF.
Entsprechend wurden natürlich auch Wiederholungen der bislang erwähnten Sendungen in Farbe ausgestrahlt.
06.09.1967 Farbenzauber und Zauberzahlen An Adventure in Color / Mathmagicland

45 min.

-
11.10.1967 Im Land der Elefanten Niok

45 min.

1960
25.12.1967 Donald Duck und seine Freunde - Auf Besuch im Nikolausland

From all of Us to all of You

25 min.

1961
03.01.1968 Minado - der Vielfraß Minado, the Wolverine

45 min.

-
07.02.1968 Wundersame Wasserwelt Wonders of the Waterworld

45 min.

-
22.05.1968 Ottern im Tenontal One Day at Teton Marsh

45 min.

-
12.06.1968 Chico, der Kojote Chico, the misunderstood Coyote

45 min.

-

Über diesen zweiten großen Block des ZDF könnte ich nun vielerlei analysieren, interpretieren und jede Menge Sinn und Unsinn erzählen. Das spare ich mir jedoch, da mir in den meisten Fällen jegliche Grundlage fehlt. Machen wir also weiter.

Nach ca. einem (soweit recherchierten) halben Jahr "Disney-Pause" beschloss das ZDF, nun doch noch einmal ein Bunte Welt-Format mit deutscher Moderation aus dem Hut zu zaubern. D.h. ob und wenn ja, von wem die Sendereihe moderiert wurde, darüber habe ich keine Kenntnis. Statt Disneyland-Shows wurden hier nun als Basis Disneys preisgekrönten Dokumentarfilme verwurstelt. Bei einer Sendezeit von nicht mal einer halben Stunde blieb davon oft wohl kaum noch etwas übrig.


Walt Disneys bunte Welt
(sozusagen offizielle zweite Staffel)
Ausstrahlung erfolgte Montags, 18:45 (je 25 min.)
spätere, vereinzelte Wiederholungen bis 1970, sporadisch vormittags
Sendetermin Folgentitel fundamentale Quelle gezeigte Cartoons / Ausschnitte
27.01.1969 Eskimos in Alaska Eskimos in Alaska
(People & Places)
-
24.02.1969 Im Dschungel tut sich was Jungle Cat
(True Life Adventure)

- Tiger Trouble (oder) African Diary
- Das Dschungelbuch

24.03.1969 Die blauen Männer von Marokko The Blue Men of Morocco
(People & Places)
-
21.04.1969 Von Münzen und Moneten - ? -

- The Happiest Millionaire
- Get rich quick
- Scrooge McDuck and Money

19.05.1969 Robbeninsel Seal Island
(True Life Adventure)
-
16.06.1969 Halali - Jagdabenteuer unbekannt
(True Life Adventure)

- The Wetback Hound
- R'Coon Dawg

14.07.1969 Hirsche im Hochland The Olympic Elk
(True Life Adventure)

(auch 1960 in der ARD)

11.08.1969 Land und Leute in Siam Siam
(People & Places)
-
08.09.1969 Trickfilm-Parade - ? -

- Crazy with the Heat
- Pests of the West
- Beach Picnic (oder) Tea for Two Hundred

06.10.1969 PKWeh und Ach ? Magic Highway U.S.A. ? -
03.11.1969 Wetterwarte im All Eyes in Outer Space
(Lehrfilm v. 1959, teilweise animiert)
-
01.12.1969 Von Rad und Rädern Man on Wheels
(Disneyland 13/24, 1967)

- Donald and the Wheel
- Freewayphobia
- Goofy's Freeway Troubles

26.12.1969 Rastloses Meer The Restless Sea
(Lehrfilm v. 1964, teilweise animiert)
-

Wiederum parallel wurden ab dem 15.02.1969 jeweils Samstags, zunächst 18:45 Uhr, Filme aus Disneys reichhaltigem Naturfilm-Repertoire gezeigt, als Einzeltitel oder übergreifend ebenfalls mit Walt Disneys bunte Welt betitelt. Diese Folgen hatten eine Laufzeit von 45 bis 60, später sogar 90 Minuten. Obwohl in Andis gut recherchierter Liste eine Lücke von gut zwei Jahren klafft (Januar '71 - Dezember '73), sieht es so aus, als ob dieses Format grundsätzlich bis 1976 fortgeführt wurde, während man die Montags-Show Dezember 1969 wohl endgültig ad acta legte, wie letztendlich auch den Bunte Welt Titel.

Zu sehen waren hier meist Realfilme aus den Disneyland-Shows, die ebenfalls in Episodenform gezeigt wurden. Auch "echte" TV- und Kinofilme, wie etwa Toby Tyler (orig. 1960), mit dem dieses Format '69 begann, kamen zur Anwendung. U.a. waren zu sehen: Sammy, the Way-Out Seal, Ida, The Off-Beat Eagle, Cristobalito, The Calypso Colt oder auch Flash, the Teenage Otter. Andis Liste umfasst genau 30 Einträge, die ich hier jedoch nicht aufdröseln möchte, da es nichts mit meiner Cartoon-Thematik zu tun hat.


Mehrere Indizien legen nahe, dass Disney mit dem ZDF einen befristeten Lizenzvertrag einging, der um 1976 endete. Interessant dabei ist jetzt die Tatsache, dass sich genau in dem Jahr in der deutschen Kinolandschaft 20th Century Fox von seinem Partner MGM trennte und Disneyfilme nun in Alleinregie in die Kinos verfrachtete. Nicht zu vergessen sei natürlich auch das weltweite Kulturphänomen Krieg der Sterne (Star Wars), welches ein Jahr später - bei uns erst im Februar '78 - nicht nur das Kino, sondern auch den jugendlichen Zeitgeschmack radikal auf den Kopf stellte und Disney nicht nur hierzulande eine derbe Talfahrt bescherten sollte ... ein 20th Century Fox-Film, nebenbei bemerkt. Wie immer sich die Geschichte nun zugetragen haben mag, so ließ es sich das ZDF nicht nehmen, sein Ende der Disneyzeit mit einer großen Gala-Sendung zu feiern - und wer hätte das besser machen können als der vielleicht beliebteste Showmoderator aller Zeiten?


Am 2. Dezember 1976 lud Peter Alexander sein Publikum zu einem Besuch in den Freizeitpark Disney World in Florida ein. Alexander, der den Park als "die teuerste Kulisse der Welt" bezeichnete, war der Erste, dem es weltweit überhaupt gelang, hier eine Show drehen zu dürfen. Die Regie hatte Wolfgang Rademann, der Alexander viele Jahre begleitete, ihm letzten Endes auch seinen Durchbruch verdankte und zu einer wichtigen Figur der deutschen TV-Landschaft wurde (u.a. mit Traumschiff und Die Schwarzwaldklinik). Gleiches lässt sich über Heinz Kiessling sagen, der hier das musikalische Arrangement zu betreuen hatte. In der Sendung Peter Alexander präsentiert Walt Disneys Welt treten als Gäste in folgender Reihenfolge auf: Mireille Mathieu, Wencke Myrhe, Freddy Quinn und die US-amerikanische Opernsängerin Anna Moffa, die hier in deutsch und englisch singt. Vorgetragen wird ein buntes Potpourri aus Disney-Songs und anderen bekannten, umgetexteten Melodien, wie z.B. Somewhere over the Rainbow, Eine Seefahrt die ist lustig und der Titelmelodie der US-Serie Bonanza, ganz im Geschmack der damaligen Zeit. So trägt Mathieu die bekanntesten Songs aus Schneewittchen vor. Als die Hexe dem "Spatz von Paris" dann eine vergiftete Frucht anbietet, springt kurz Wencke Myrhe ins Bild und zitiert ihren Hit Beiß nicht gleich in jeden Apfel. Sie selbst gibt anschließend als Mary Poppins zusammen mit Peter einige Hits aus dem gleichnamigen Film zum Besten, bevor er mit good old Freddy einen Streifzug durch die Western-Landschaft macht. Mit Frau Moffa geht's dann u.a. auf einem Raddampfer weiter. Am Ende zeigt der Showmaster ein paar Aufnahmen von Disneyparaden im Park.

Zwischendurch werden kleine Trickfilmsequenzen eingestreut. Neben Schnipseln aus Mickys Plane Crazy, Mickeys Gala Premiere und Mickeys Birthday Party - die bekannte und auch hier wieder stark gekürzte Wüstenhagen-Fassung - sind zu sehen: Alice im Wunderland (Parade der Karten), Aristocats (Thomas O'Malley), Cinderella (Bibbidi-babbidi-bu), Pinocchio (Kleiner Mann aus Holz), ein kurzer Ausschnitt von den kleinen Schweinchen (Wer hat Angst..), Bambi (Little April Shower, O-Ton), sowie Ich wäre gern wie Du aus dem Dschungelbuch. Das Ganze wurde anschließend auch von Ariola als LP heraus gebracht.

  


Ob es sich in folgendem Fall um irgend ein Exklusivrecht des ZDF handelt, kann ich nur vermuten, aber die Figuren aus dem Disneypark traten auch nach 1976 noch in diversen Programmen des Senders auf. So feierte wieder Peter Alexander in seiner Show ... präsentiert Spezialitäten am 30. November 1978 Mickys fünfzigsten Geburtstag. Am 31. Mai 1984 tat es ihm Kollege Michael Schanze nach in der hier bereits erwähnten Sendung Donald Ducks Geburtstagsparty. Noch im selben Jahr, am 9. Dezember, agierte Klaus "King Louie" Havenstein zwischen den illusteren Disneyfiguren, während er einige Cartoon- und Filmausschnitte präsentierte. Die Sendung nannte sich Walt Disneys fröhliche Weihnachten (Wiederholung am 15.12.1985).



Vor der Weihnachtssendung kenne ich den gezeigten Filminhalt:

- Once upon a Wintertime (O-Ton)
- The Clock Watcher (O-Ton)
- Pluto's Christmas Tree (O-Ton)
- Bernard und Bianca (Ausschnitt, deutsch)
- Mickey's Christmas Carol (Ausschnitt, deutsch)
- The Night before Christmas (O-Ton)

Wie man oben sehen kann, war das Mäusepärchen auch in den beiden anderen Sendungen präsent. Schließlich war und ist Bernard und Bianca bis heute hierzulande der dritterfolgreichste klassische Animationsfilm Disneys nach Dschungelbuch und König der Löwen.

Musikalisch zeichnete sich in der Spezialitäten-Show bei den Songs Happy Birthday Micky Maus und Micky Maus Superstar diesmal kein Geringerer als Ralph Siegel verantwortlich. In den beiden 84'er Sendungen re-arrangierte Christian Bruhn zwei dicke Säcke voll Disney-eigenem Liedgut. Der im Schlagerbereich bestens bekannte Mann war zu der Zeit schwer beschäftigt, den vom ZDF eingekauften Anime-Serien wie Heidi, Pinocchio, Sindbad und Captain Future deutsche Musik unterzuschieben. Mit von der Partie waren auch Günter Behrle und Texter Wolfgang Hofer, die ebenfalls feste Größen der Schlager-Szene gewesen waren. Für Disney war damals halt das Beste immer gerade gut genug.


Das unsportliche ZDF

Ein weiteres, diesmal wirklich kurioses Einzelstück setze ich hier mal unchronologisch ans Ende. Dazu muss ich voraus schicken, dass 1984 in Los Angeles die XXIII. Olympischen Sommerspiele in Los Angeles ausgefochten wurden. Ich erinnere mich noch gut an Elke Heidenreich, die in ihrer Paraderolle als Else Stratmann in ihrer Fensterkulisse morgens zum Frühstück eine Zusammenfassung des vergangenen Spieltages resümierte. Richard, Richard und datt Määädel ... ähm, ich schweife schon wieder ab!

Die beiden Fernsehkontrahenten teilten sich wie üblich die Übertragungsrechte des Großereignisses, natürlich nicht ohne den dazugehörigen Konkurrenzkampf. So schickte das ZDF bereits am Sonntag, den 1. Juni, knapp zwei Monate vor der Eröffnungsfeier, den Zeichentrickfilm Dschungel-Olympiade von 1980 ins Rennen. Am 26.7. und 2.8.1984 schaute dann Goofy beim ZDF vorbei. In zwei Teilen lief hier Ganz schön sportlich - Goofys lustige Olympiade. Nun habe ich absolut keine Ahnung, welche kuriose Mischung aus der Original-TV-Show plus eingebetteter Cartoons hier jetzt wieder angeboten wurde, aber der als Moderator eingesetzte Dieter Kürten legt nahe, dass hier wohl die deutsche Kinofassung von 1980 als Grundlage diente, in der Kürten bereits damals zum Einsatz kam. Neben der Frechheit, nach 1976 noch Disney-Material zu zeigen, war Kürtens damaliger Wechsel von der ARD zum ZDF hier wohl der eigentliche Frevel. Der Mann hatte erst 1983 mit der Sendung Ganz schön mutig bei seinem neuen Arbeitgeber den Einstand gegeben ... leider lief diese nicht so ganz wie erwartet - nach 6 Folgen war der Ofen bereits wieder aus.

Och, und wo wir sowieso grad im Thema stecken: Das Maskottchen der Olympischen Spiele stammte auch aus den Disney-Studios. Sam the Eagle war eine lustige Kreuzung aus Uncle Sam und dem amerikanischen Staatswappen, entworfen von C. Robert Moore, dem damaligen Art Director der Disney-Werbeabteilung. Dieser ging zwar schon '83 in Rente, wurde für dieses Projekt jedoch noch einmal ins Studio gebeten. Zunächst wollte Disney das Staatssymbol Kaliforniens, den Goldenen Bären, für die Spiele verwenden. Erste Entwürfe ähnelten jedoch zu sehr Misha, dem Maskottchen der russischen Olympiade von 1980. Wer sich noch erinnert, weiß dass der Kalte Krieg und der Boykott vieler Länder, an den Spielen teilzunehmen, '80 politisch große Wellen schlug. Das wollte man gar nicht erst wieder aufleben lassen, und so musste der Bär dem Adler weichen. Wie nun Jim Hensons Muppet-Sam in die Geschichte passt (erster Auftritt 1975), darf sich jeder gerne selbst zusammen reimen.


Um zurück aufs Thema zu kommen: Man kann dem damaligen ZDF wirklich nicht nachsagen, dass es im Programm an Trickfilm-Zeug mangelte - im Gegenteil. Der Stern der Warner Looney Toons ging mit Die schnellste Maus von Mexiko (Speedy Gonzales) 1979 nach einigen Vor-Formaten in Deutschland erst richtig auf; auch Charlie Brown schaute mit seinen Peanuts-Kollegen unlängst vorbei. Und die oben bereits angesprochenen Anime-Serien, Held Wickie und die Biena Maja noch dazugezählt, sprechen wohl auch für sich. Ich bezeichne das Ganze als eine klare Offensive gegenüber dem damals eher biederen Kinderprogramm der ARD. Waren die Disney-Cartoons dem ZDF vielleicht auch zu bieder ... oder schnappte das Erste Programm Ende der Siebziger seinem Konkurrenten die Rechte vor der Nase weg, wie es Günter Bartosch einst mit ihnen tat? Wie auch immer, in den 80er Jahren wanderten Micky Maus und seine Freunde wieder zurück zur ARD. Kurioserweise beginnt dieser neue Abschnitt weit vor 1980, und zwar mit einem Mann, der hier bereits erwähnt wurde: Klaus Havenstein.

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