Donald Duck geht in die Luft (Wiederaufführung)

Deutscher Kinostart: 28.5.1982 (20th Century Fox)

Die Zusammenstellung des Films ist durch Pressematerial, Aushangsbilder und eine VHS-VÖ sicher belegt. Ein offizielles Film-Programmheft konnte dagegen noch nicht ermittelt werden.

- Orphan's Benefit (1934/1941)
- Donald's Cousin Gus (1939)
- Canvas Back Duck (1953)
- Test Pilot Donald (1951)
- Trailer Horn (1950)
- Moving Day (1936)
- Uncle Donald's Ants (1952)
- The Riveter (1940)
- Tugboat Mickey (1940)
- Corn Chips (1951)
- Ferdinand the Bull (1938)

Filmdienst bzw. Zweitausendeins vermelden bei einer Laufzeit von 82 Minuten 11 Cartoons.

Zur Entstehungsgeschichte des Films siehe zunächst die Erstveröffentlichung von 1971.

Vorab-Info

Donald Duck geht in die Luft wurde nur kurze Zeit nach seinem zweiten Anlauf in deutschen Kinos auch auf VHS veröffentlicht. Die erste Ausgabe war im klassischen Weiß der ersten Disney Home Video Reihe gehalten und zeigt auf dem Cover einen Ausschnitt des deutschen Kinoplakates von 1971. Eine weitere VHS-Ausgabe, nun mit dem verkürzten Titel Donald geht in die Luft, erschien ein paar Jahre später. Auf beiden ist in römischen Zahlen das Jahr 1971 (MCMLXXI) abgebildet, ein weiteres Indiz dafür, dass zumindest das Bildmaterial in den 80ern nicht verändert wurde. Da uns weder das Original sowohl von 1971 als auch 1982 vorliegt, kann ich mich allerdings bei meiner Synchronanalyse nur auf die VHS beziehen.

  

Am 7.1.1990 wurde der Film zum ersten mal im Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt, hier noch in der alten Kinofassung. Jahre später war auf Super-RTL eine stark bearbeitete Fassung zu sehen; neben dem Austausch deutscher Texttafeln griff man auch in die Synchro ein. Alle Cartoons, bis auf Ferdinand der Stier, bekamen eine Bearbeitung des Teams Jascheroff-Alich-Krause verpasst.


Film- und Synchronanalyse

In der Kinofassung wurden die meisten Cartoons im Originalton belassen, und zwar Orphan's Benefit, Donald's Cousin Gus, Test Pilot Donald, Trailer Horn, Moving Day, Uncle Donald's Ants, The Riveter und Corn Chips. Man beachte bitte, dass Kater Karlo in Moving Day und The Riveter auftritt, Micky und Goofy ebenfalls in Moving Day. Dennoch sind diese Cartoons auf der VHS im O-Ton. Warum ich darauf hinweise, dazu komme ich gleich.

    
Die Titelkarte des Films, links ein VHS-Snapshot, rechts die Super-RTL Fassung

Bevor überhaupt der erste Cartoon startet, wird die fiktive Entstehungsgeschichte des cholerischen Erpels gezeigt. Dafür bediente man sich erneut an der Disneyland-Folge The Donald Duck Story (Staffel 1, Episode 4, 1954). Hier wird umrissen, dass zunächst die Stimme existierte und sich daraufhin die Zeichner daran machten, ein geeignetes Tier für dieses Gequake zu finden. Vom Seehund über einen Elch bis zum Schwein wird alles ausprobiert, bis man über Daisy Duck schließlich bei Donald landet .... na ja, dass Donalds Entwicklung in Wahrheit etwas anders verlief, lassen wir mal bei Seite; lustig ist die Sequenz allemal. Ein paar von Disneys Zeichnern sind hier zu sehen. Ihre deutschen Stimmen bekamen sie von Claus Jurichs, Peter Schiff und Helmut Heyne geliehen. Anschließend wird Donalds "erster" Cartoon angekündigt (was auch nicht korrekt ist): Orphan's Benefit startet als einziger Cartoon OHNE Titelkarte. Dabei wird zunächst das schwarz-weiße Original von 1934 gezeigt. Nachdem Donald sein Mary had a little Lamb rezitiert hat und einen kleinen Hornpfeifertanz auf der Bühne vollführt, wird per Seitenblende in das farbige Remake von 1941 umgeschaltet.

Die Neufassung bettete hier Peter Krause in das deutsche Original ein; die alten Stimmen der Zeichner blieben erhalten. Ach ja, die Kuh, die sich über den Blödsinn muuhniert, spricht seitdem auch Deutsch; vorher war's, wie Donald selbst, O-Ton.

  

  

- Canvas Back Duck: Der erste synchronisierte Cartoon ist dann auch gleich der "dickste Brocken" in der Liste. Auf Grund der Dialogfülle entschied man sich hier wieder, auch Donald und die Neffen einzudeutschen. Mit technisch gepitchten Stimmen sprach ausgerechnet Dieter Kursawe, langjährige Stimme von Warners Daffy Duck (sozusagen die Konkurrenz) zusammen mit ein paar jungen Mädchen die Rollen ein. Gerd Duwner übernahm die Rolle von Pete/Karlos Gehilfen; Pete selbst wurde von Karl Schulz eingesprochen.

- Tugboat Mickey: Zu hören ist Wilfried Herbst als Micky Maus, dazu natürlich wieder Gerd Duwner in seiner Goofy-Rolle. Als Radiostimme ist Toni Herbert zu hören.

- Ferdinand the Bull: bildet dann als Hauptfeature den Abschluss. Obwohl hier die bekannte Fassung mit Wilhelm Borchert verwendet wurde, ist diese Version etwas kurios. Dem Featurette wurde eine kurze Ferdinand-Filmszene als eine Art Prolog voran gestellt. Statt dessen fehlt die sonst immer zu hörende, von Siegfried Schürenberg gesprochene Einleitung.


Kommentar

Ein Problem bereitete mir die zeitliche Datierung der Synchronfassung von Canvas Back Duck. Zum einen klingt das Pitching der Stimmen irgendwie blechern und billig, nicht so qualitativ hochwertig wie z.B. in The Lone Chipmunks in der Micky-Maus-Parade 1963. Es hört sich halt 80's-like an. Punkt zwei ist der Einsatz von Karl Schulz, der in den frühen Siebzigern noch gar nicht synchrontechnisch auftrat. Seine Schauspielkarriere an sich startete erst gegen 1978 richtig durch. Ich musste zwangsläufig davon ausgehen, dass die Synchronbearbeitung an Canvas Back Duck erst 1982 für's Kino oder gar erst für das spätere Video-Release vorgenommen wurde. Punkt drei ist dann, dass Kater Karlo in den anderen beiden Auftritten, Moving Day und The Riveter, im O-Ton verblieb, obwohl er hier auch längere Dialogpassagen hatte, ganz zu schweigen vom O-Ton Goofy.

Ein wesentlich erfahrener Kenner auf dem Gebiet analysierte für mich daraufhin die Tonqualität von Canvas Back Duck und Tugboat Mickey. Das Ergebnis war eindeutig: Die als Licht-Ton identifizierten Spuren lassen darauf schließen, dass sie so im Kino und nicht erst für ein VHS-Release erstellt wurden. In Kombination mit unserer Meinung, dass auch Wilfried Herbst eher in die späten 70er Jahre gehört, gehe ich fest davon aus, dass in der '71er Fassung von Donald Duck geht in die Luft alle Cartoons (bis auf Stier Ferdinand) im O-Ton gezeigt wurden. An ältere Synchronfassungen glaube ich in dem Fall nicht. Die Anfangssequenz mit Claus Jurichs und den anderen Sprechern ist unserer Auffassung nach allerdings tatsächlich die alte Kino-Fassung.


Die Titelkarten

Zum Abschluss hier noch die Gegenüberstellung der Titelkarten. Die alte Variante ist übrigens für mich der Hauptbeweis dafür, dass beide Kinofassungen zumindest inhaltlich identisch gewesen waren. Zur Bildbearbeitung von Disneymaterial während der Super-RTL Zeit gibt es an anderer Stelle mal einen gesonderten Beitrag. Erstaunlich finde ich generell, dass der Disneykonzern stets Wert darauf gelegt hat, auch auf den Titeln der Cartoons international Bedeutung zu schenken. Zwar wurden gewisse Namen über die Jahre immer mal wieder aktualisiert, diese dann jedoch einheitlich immer wieder verwendet. Im krassen Gegensatz dazu scheint der Sender Disney+ heutzutage eher Narrenfreiheit zu haben und haut gelegentlich Cartoon- und sogar Filmtitel raus, die jeder Beschreibung spotten.

Kino- / VHS-Fassung TV-Fassung




Abschließend sei noch eine Super-8 Ausgabe (Piccolo-Film) erwähnt, die ebenfalls den Filmtitel trägt und als Cover das Filmplakat von 1971 verwendet. Diese hat jedoch mit dem Kinofilm nichts zu tun. Anscheinend wollte man für den Super-8 Markt eine Mini-Version des Films erstellen. Walt Disney höchstpersönlich spricht hier über den Werdegang von Donald Duck, auch hier Archivmaterial aus einer Disneyland-TV-Show. Anschließend werden die Cartoons
Donald's Vacation (1940) und Sea Scouts (1939) gezeigt, erster stark, zweiter leicht gekürzt. Bei einer Wiederveröffentlichung durch Revue-Film wurde Donald's Vacation gleich ganz raus geschnitten.