Donald Duck geht nach Wildwest

Deutscher Kinostart: 23.11.1965 (WDF)

Die Zusammenstellung ist durch die Illustrierte Film-Bühne im Abgleich mit anderen Daten nachgewiesen.

- Two Gun Goofy (1952)
- Don Donald (1937)
- Up a Tree (1955)
- Californy 'er Bust (1945)
- Donald's Gold Mine (1942)
- Pests of the West (1950)
- No Hunting (1955)
- Wide Open Spaces (1947)
- The Legend of Coyote Rock (1945)
- Dude Duck (1951)
- A Cowboy Needs a Horse (1956)

Filmdienst bzw. Zweitausendeins vermelden bei einer Laufzeit von 72 Minuten 11 Cartoons.


(alternatives Kinoplakat)


(Illustrierte Film-Bühne Nr. 7131)


(Neues Film-Programm Nr. 4027)

Das Forschen nach einem Original, parallelen VÖs anderer Länder und sicheren Quellen

Während die Micky-Maus-Revue wie seine Vorgänger lediglich eine Ansammlung von Cartoons gewesen ist, versuchte WDT, seinem nächsten Kompilationsfilm eine gewisse Grundhandlung unter zu jubeln. Viel interessanter ist jedoch, dass Disney hier begann, eine international übergreifende Kampagne zu starten. Unter dem Vertriebstitel Shorts Program 1965 erlebte der Film einen weltweiten Kinostart. In den USA selbst wurde der Film erst später für den Heimvideomarkt ausgewertet. In Deutschland war es zudem der erste Film, in dem Donald Duck als Hauptdarsteller angepriesen wurde. Diese ambitionierte Veröffentlichungs-Strategie sollte jedoch ein Einzelfall bleiben, obwohl DD geht nach WW der vielleicht erfolgreichste Kompilationsfilm überhaupt gewesen war.

Zu kaum einer anderen Zusammenstellung gibt es darum im Netz mehr Material zu finden als zu diesem, was eine exakte Recherche zum Teil schwierig macht. Der Grund dafür ist, dass der Film in den 70er Jahren in vielen Ländern eine Wiederaufführung erlebte und ebenso später im internationalen Heimvideomarkt. Dadurch treten im Internet sehr häufig schlecht recherchierte Quer- und Falschinformationen auf. So wird z.B. für die deutsche EA in manchen Quellen der Cartoon Cured Duck angegeben. Die dürfte ein phonetischer Übertragungsfehler sein; gezeigt wurde Dude Duck.

Bislang konnte ich einen Ersteinsatz in den 60er Jahren neben Deutschland nur in Finnland, Schweden und Australien (alle 1965), Italien (25.3.1966) und Mexiko (1966) nachweisen. Vermutlich lief er parallel auch in Argentinien. Für den franko-belgischen Raum und Großbritannien sind seltsamerweise nur Infos über eine Aufführung in den 70er Jahren zu finden. Spanien und Portugal entziehen sich gänzlich einer Recherche, wobei die Möglichkeit besteht, dass die mexikanische Fassung in irgendeiner Form auch die iberische Halbinsel erreichte. Der Inhalt der italienischen Fassung ist belegt, über andere Fassungen konnte ich nichts Fundiertes recherchieren, wobei ich dazu sagen muss, dass ich den Inhalten der internationalen Versionen nur bis zu einem gewissen Punkt hinterher schnüffele. Dies soll nur einmal ein Beispiel dafür sein, wie sehr die Länderversionen damals voneinander abwichen.

- die italienische Fassung:
- Pippo Sceriffo              
  - Two Gun Goofy
- Paperino Innamorato           - Don Donald
- Il Gauchito Volante         
  - Flying Gauchito    (aus The Three Caballeros)
- Paperino e il Cavallo Matto 
  - Dude Duck
- I Pionieri della California   - Californy 'er Bust
- Paperino Contro Cip a Ciop    - Up a Tree
- Paperino e la Minera d'Oro    - Donald's Gold Mine
- Gran Canyon                   - Grand Canyonscope
- Pippo e Gaucho              
  - El Gaucho Goofy    (aus Saludos Amigos)
- Pecos Bill                    - Pecos Bill         (aus Melody Time)

- die deutsche Fassung (Cartoontitel: Illustrierte Film-Bühne):
- Goofy der Revolverheld        - Two Gun Goofy
- Mexikanisches Stelldichein    - Don Donald
- Abenteuer in der Prärie       - The Legend of Coyote Rock
- Sioux greifen an              - Californy 'er Bust
- Goldgräber Donald             - Donald's Gold Mine
- Der Eierdieb                  - Pests of the West
- Wenn ein Cowboy träumt        - A Cowboy Needs a Horse
- Am Busen der Natur            - Wide Open Spaces
- Donald als Holzfäller         - Up a Tree
- Donald der verhinderte Jockey - Dude Duck
- Donald der wilde Jägersmann   - No Hunting

Auch in Deutschland wurde DD geht nach WW 1977 erneut aufgeführt, jedoch mit einer abweichenden Zusammenstellung. Die VHS-Version unterscheidet sich wiederum von diesen beiden VÖs, sie ist ein Konvolut aus beiden Filmfassungen. Für Informationen über die Wiederaufführung bitte zur entsprechenden Seite wechseln. Dort werde ich auf die Unterschiede noch genauer eingehen.

              
v.l.n.r. : Die Plakate aus Finnland, Schweden, Italien, die wie bei uns eingesetzten zwei Poster aus Mexiko und ganz rechts Australien

Film- und Synchronanalyse

Dass Donald Duck nach der einmaligen "Deutschstunde" 1965 nun doch auf sehr lange Zeit im Originalton verblieb, münze ich auf die hier erfolgte Distributionsübernahme Disneys. Ohne adäquaten Sprecher sah der Konzern wohl zurecht den Charme seiner zugkräftigsten Cartoonfigur in Gefahr. Im Vergleich dazu wird Donald in Italien bereits seit den 50er Jahren mit wechselnden Sprechern synchronisiert; in Frankreich bekam der Enterich erstmals 1980 eine feste Stimme. Interessant ist jedoch, dass im Film Fun and Fancy Free in in der jeweiligen Uraufführung vieler Länder (zwischen 1947 und '53) Donald zum ersten Mal landestypisch sprach - ohne dass Clarence Nash hier bemüht wurde, wie noch in Three Caballeros 1944. Deutschland verpasste diesen einmaligen "Großversuch" jedoch, da der Film hier gar nicht erst ins Kino gelangte.

Und damit zur Analyse, bei der ich vorab Don Donald, Donald's Gold Mine, Up a Tree und den Pluto-Cartoon Pests of the West als O-Ton Kandidaten ausklammern kann.

- Two Gun Goofy: Nach den deutschen Filmtitel-Karten startet dieser Cartoon mit einer zusätzlich erstellten Sequenz, in der Donald als Sheriff auftritt. Vorgegeben durch die Handlung des Original-Cartoons wird nun Donald statt eines Unbekannten von Pete (Kater Karlo) erschossen - zu sehen ist davon natürlich in beiden Varianten nichts - danach geht der eigentliche Cartoon mit Goofy weiter. Die erweiterte Sequenz stammt ursprünglich aus der Disneyland-Folge The Donald Duck Story (Staffel 1, Episode 4, 1954).

    

Zwar sind die Zeichnungen der Zusatz-Sequenz qualitativ auf höchstem Disney-Niveau, allerdings wundere ich mich ein wenig über die Perspektiven der Sequenz. Donald nähert sich Pete von rechts, der jedoch ebenfalls rechts steht und anschließend nach links auf den Enterich schießt. Irgendwie passt das alles nicht richtig zusammen - einer Trickschmiede von diesem Format hätte so was eigentlich nicht passieren dürfen.
Die Synchro ist ein Mix aus Hui und Pfui, da eine kleine Szene mit Pete und auch Goofys Gesang im Original verblieben. Letzterer wurde natürlich von Gerd Duwner eingesprochen; für Pete übernahm erneut Eduard Wandrey. Neben einigen Kleinstrollen (u.a. Toni Herbert) ist noch Inge Landgut als die unbekannte Schöne zu hören.
Diese verlängerte Fassung inkl. Kinosynchro wurde sowohl 1977 als auch für die spätere VHS wieder verwendet.

- Californy 'er Bust: Arnold Marquis führt in der Kinofassung als Off-Sprecher durch diesen lustigen Goofy-Cartoon. Leider ist diese Synchro nie auf Kaufmedien erschienen. In der Kostbarkeiten-Reihe ist hier Lothar Mann zu hören. In einer kurzen Szene rufen Goofy und sein Pferd laut "Indianer". Hier konnte ich sowohl in der alten als auch neuen Fassung niemanden identifizieren. Gerd Duwner war '65 jedenfalls nicht zu hören.

- No Hunting: Ein wahres Klamauk-Fest mit viel Dialogen macht diesen Cartoon in seiner alten Fassung unbedingt erhaltenswert. Erich Kestin spricht hier Donalds Ur-Ahnen, in einigen kleineren Rollen hört man Gerd Duwner. Weitere identifizierte Sprecher sind Hans Wiegner als Forstaufseher und Hans Walter Clasen als Assistent Jenkins. Erzähler der Geschichte ist Lothar Blumhagen. Auch diese Synchro ist auf den VHS zum Film erhalten geblieben. Ein Nerd-Schmankerl der besonderen Art ist eine Szene, in der Bambi nebst seiner Mutter auftritt. Als im Waldbach eine Ladung Müll vorbeigeschwemmt wird, sagt diese "Es sind Menschen im Wald", wie schon in der ersten deutschen Synchro zu Bambi. Die zweite Synchro, die 1965 ja noch gar nicht existierte, machte aus Menschen Jäger.

- Wide Open Spaces: Der Motel-Besitzer, den man am Anfang und Ende des Donald-Cartoons hören kann, sprach in der '65 Fassung noch O-Ton. Eine Eindeutschung erfolgte erstmals für die WA 1977.

The Legend of Coyote Rock: In der deutschen Kinofassung leitet Hans Wiegner als Off-Sprecher die ansonsten stumme Handlung ein. Der Cartoon kam bei der WA '77 und auf VHS nicht mehr zum Einsatz. Die Synchro ist aber auf der Super8 Fassung Pluto auf Coyotenjagd von Piccolo erhalten geblieben. Auf der Zweitauflage der VHS Donald und Pluto total verrückt dürfte diese Super8-Kopie auch enthalten gewesen sein. Ich selbst habe allerdings nur die erste Auflage, in der der Cartoon noch fehlt, kann dies somit bislang nur vermuten.
 

- Dude Duck: Neben Donald hört man ein paar reizende Stimmen der anreisenden Frauen und den irrsinnig witzigen Gaul. Wurde 1965 im O-Ton gezeigt und flog in der WA '77 gleich ganz raus. In ältester VHS-Form gibt es ihn nur auf Donald Präsentiert von 1990, hier jedoch bereits in der Synchro mit Peter Krause.

- A Cowboy needs a Horse: Das nette TV-Special um ein träumendes Kleinkind beinhaltet lediglich Gesang, der '65 noch im O-Ton zu hören war. Auf Heiho, der 4. VHS der Sing mit uns-Reihe, gibt es eine deutsche Fassung zu hören, die jedoch neueren Datums ist.