Heinrich Riethmüller
(1921 - 2006)

Heinrich Riethmüller

 

Heinrich Riethmüller wurde am 23. Dezember 1921 in Berlin geboren. Er begann1940 mit einem Studium für Kirchenmusik an der Akademie für Kirchen- und Schulmusik Berlin. Ab 1942 betätigte er sich als Organist und Chorleiter. Nach 1945 spielte er beim RBT-Orchester und wurde 1947 musikalischer Leiter des Berliner Kabaretts Ulenspiegel. Zu seinen klassischen Kompositionen gehören Im Kinderland (1947), Gesänge des Li Tai Pe (1949) und seine Tempelhofer Messe aus dem Jahre 1974. Nach und nach rutschte er jedoch immer mehr in die Branche der Unterhaltungsmusik. Ab 1951 schrieb Riethmüller eine Reihe von Filmmusiken für meist banale Komödien oder Heimatfilme wie Der Fürst von Pappenheim (1951), So ein Affentheater (1953) oder Vater, Mutter und neun Kinder (1958). Daneben gehörte er in dieser Zeit auch zum Team der Radioshow Die Rückblende, einer satirischen Hörfunksendung des RIAS, für die er die Musik zu den literarischen Chansons beisteuerte. Wegen ihres großen Erfolges schaffte die Reihe 1961 über den NDR auch kurzzeitig den Sprung ins Fernsehen. Die Begegnung mit dem Showmaster Hans Rosenthal war ein entscheidender Wendepunkt in der Karriere Riethmüllers. Für die Quizshow Gut gefragt ist halb gewonnen, die von 1964 bis 1970 ausgestrahlt wurde, verfasste er die Musik. Durch die Nachfolgesendung Dalli Dalli wurde der Komponist dann einem Millionenpublikum bekannt, da er nebst seiner Combo auch schon mal persönlich die singenden Gäste am Klavier begleitete. Ohnehin trat Riethmüller immer wieder auch selbst als Musiker bei Konzerten auf, sei es am Klavier oder an der Wurlitzer-Orgel. Daneben hatte er zeitweilig auch sein eigenes Ensemble und leitete zudem noch das RIAS-Tanzorchester.


Das Dalli-Dalli Team ab 1971
v.l.n.r. hinten : Zeichner Oskar, Monika Sundermann, Riethmüller, Hans Rosenthal
vorne : Brigitte Xander, Ekkehard Fritsch, Mady Riehl

Eberhard CronshagenAb 1950 begann Riethmüller zunächst nebenbei, die musikalische Leitung bei der Synchronisation von Filmen zu übernehmen. 1964 traf er auf Eberhard Cronshagen (Bild rechts) bei der deutschen Bearbeitung zu Mary Poppins. Cronshagen, am 25. Juni 1913 in Berlin-Zehlendorf geboren, war als Synchronautor und -regisseur schon wesentlich erfahrener als sein Partner und gewährte ihm den Einblick in die Verfahrensabläufe der deutschen Synchronisation. Und so trafen sie sich 1966 bei der Neubearbeitung zu Disneys Meisterwerk Schneewittchen wieder. Riethmüller, der vor allem im Umgang mit Kindersprechern ein talentiertes Händchen hatte, übernahm fortan die deutschsprachige Bearbeitung der Animationsfilme Disneys, angefangen bei Kompilationsstreifen wie Donalds tollste Abenteuer oder dem Featurette Winnie Puuh und der Honigbaum (beide ebenfalls 1966). Stets an seiner Seite war die damals noch blutjunge Susanne Tremper, die in Schneewittchen mit ihrer wunderbar klaren Stimme ihren Einstand gab. Auch in Donalds tollste Abenteuer stellte sie ihr Gesangstalent unter Beweis (als Harfe im Filmabschnitt Micky und die Bohnenranke). Tremper begleitete Heinrich Riethmüller viele Jahre und war in Bambi, Das Dschungelbuch, Robin Hood und Cap & Capper zu hören, der letzten Disneyproduktion, an der er mitgewirkt hatte. Am Ende hatte er 11 reine Animationsfilme Disneys betreut (darunter 5 Neusynchronisationen) und kleinere Arbeiten wie etwa die Winnie Puuh Kurzfilme.

Ina Patzlaff - Stefan Krause - Heinrich Riethmüller
Die 60er : Riethmüller zusammen mit Ina Patzlaff und einem sehr jungen Stefan Krause
(später u.a. die Stimme von Hobbit Pippin in den drei Herr der Ringe Verfilmungen).

Für Spielfilme mit echten Schauspielern, die eine ganz andere Art von Know-How benötigen, wurde Riethmüller jedoch nicht eingesetzt. Hier war es wieder Eberhard Cronshagen, der bei Mischfilmen wie Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett, Onkel Remus Wunderland oder Elliot das Schmunzelmonster das Sagen, sprich das Buch hatte. Inwieweit Riethmüller überhaupt in solche Filme einbezogen wurde, ist bislang ungeklärt; möglicherweise hatte er manchmal auch gar nichts damit zu tun. (Meine Webeinträge im DSA müssen also nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen ... ich arbeite noch dran !)

Als sich der inzwischen 60jährige Anfang der 80er Jahre aus dem Synchrongeschäft zurückzog, widmete er sich wieder seinen musikalischen Projekten. So fand am 8. Januar 1988 in der Tribüne in Berlin die Uraufführung seines Singspiels Mutter Gräbert macht Theater, zu dem Curth Flatow das Buch geschrieben hatte. Bis zu seinem Tod am 8. Dezember 2006 lebte er in Berlin.

Auch für Cronshagen war der Bereich Animation nicht unbedingt ein Fremdwort. Neben seiner Übersetzungstätigkeit bei der beliebten TV-Serie Bonanza stammten aus seiner Feder auch die deutschen Dialoge für Grisu, der kleine Drache, Schweinchen Dick und Die Schlümpfe. Inzwischen hat man seit Jahren nichts mehr von ihm gehört, weshalb bereits Gerüchte über sein eventuelles Ableben im Umlauf sind.

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