Micky ist der Grösste

Deutscher Kinostart: 9.7.1970 (MGM)
Laufzeit: 82 Minuten

Eine filmische Kollage verschiedener Stationen Disneys und seines Mäusehelden, mit diversen Cartoonausschnitten, teilweise auch komplett gezeigten Cartoons garniert. Der Inhalt der deutschen Fassung ist durch das Quellmaterial von Jim Hawkins belegt.

- Mickey's Service Station (1935)
- Mickey's Fire Brigade (1935)
- The Pointer (Ausschnitt, 1939)
- Lonesome Ghosts (1937)
- Fantasia (Ausschnitt, 1940)
- The Nifty Nineties (geschnitten, 1941)
- Mickey and the Seal (1948)
- Thru the Mirror (1936)
- Donald's Vacation (1940)
- Hawaiian Holiday (geschnitten, 1937)
- The Band Concert (1935)
- Mickey's Birthday Party (geschnitten, 1942)


(alternatives Kinoplakat, hier mit SZ)


(Neues Film-Programm Nr.5715)


(Werbebroschüre)

Das Forschen nach einem Original, parallelen VÖs anderer Länder und sicheren Quellen

Das Grundgerüst dieses Films scheint ein halbstündiges Special namens Walt Disney's Mickey Mouse Happy Birthday Show gewesen zu sein, das im Sommer 1968 zu Ehren von Mickys 40. Geburtstag in irgendeiner Form im US-Kino lief; Plakat und Aushangsfotos belegen das. Wenn nicht in cineastischer Form, so unterfütterte man den Film spätestens im Fernsehen mit weiteren Cartoons. Als The Mickey Mouse Anniversary Show lief er so im Rahmen von Walt Disney's Wonderful World of Color am 22.12.1968 auf NBC. Unter dem Vertriebstitel Mickey Mouse Anniversary Program 1970 wurde das Paket dann zwei Jahre später in die Kinos aller Herren Länder gebracht. In der Originalversion wird die Geschichte von Micky Maus und Walt Disney im Allgemeinen umrissen, angefangen mit einem Abstecher in die Alice- und Oswald-Stummfilmzeit. Mickys Plane Crazy wird dann komplett gezeigt, wogegen Steamboat Willie nur angeschnitten zu sehen ist. Neben Einblicken hinter die Kulissen Disneys folgen weitere Cartoons, gekürzt oder auch in voller Länge, in diesem Fall natürlich alle ohne Titelkarten. Darunter waren Mickey's Gala Premiere, Mickey's Service Station, Mickey's Fire Brigade, Lonesome Ghosts, Hawaiian Holiday und Mickys Auftritt in Fantasia.

Die Show war das letzte große Projekt mit Jimmy MacDonald als Stimme von Micky Maus. Obwohl er später hier und da noch sporadisch eingesetzt wurde, übernahm allmählich Wayne Allwine die Rolle, bis dieser für The New Mickey Mouse Club (ab 1977) endgültig und offiziell zur Feststimme wurde. Der Schauspieler Dean Jones (Bild rechts), bekannt aus vielen Disney-Realfilmen, unter Anderem der Herbie-Reihe, führte hier als Erzähler durch das Programm.

Die Auswahl der Cartoons wurde in den Kinoaufführungen anderer Länder dann wieder individuell zusammen gestellt. Den genauen Inhalt konnte ich über die britische und italienische Fassung heraus finden, liste diese aber hier jetzt nicht extra auf. Die früheste Aufführung erfolgte wohl in Dänemark. Hier die best möglich recherchierten Starttermine und Filmtitel im Überblick:

- Dänemark       - 20.06.1970 - Mickey Mouse Film Festival
- Deutschland    - 09.07.1970 - Micky ist der Größte
- Schweden       - 15.08.1970 - Musse Piggs jubelpartaj
- Frankreich     - 19.08.1970 - La fabuleuse Histoire de Mickey
- Belgien        - 19.08.1970 - De fabelachtige Geschiedenis van Mickey
- Italien        - 02.09.1970 - Topolino Story
- Großbritannien - 15.09.1970 - The Mickey Mouse Anniversary Show
- Finnland       - 30.10.1970 - Mikki Hiiren juhlaparaati, (schwed.:) Musse Piggs jubelparad
- Argentinien    -       1970 - El Mundo Maravilloso de Mickey
- Mexiko         -       1970 - El Mundo Maravilloso de Mickey
- Spanien        -       1970 - El Mundo Maravilloso de Mickey
- Australien     - 03.03.1971 - ?????
- Jugoslawien    -       1974 - Mikijev Rodendan

Zwei unterschiedliche Ausführungen von Aushangsfotos belegen, dass es in Großbritannien eine Wiederaufführung gegeben haben muss. Im Fall von Frankreich/Belgien kann man anhand der Filmplakate ebenfalls von einem Re-Release ausgehen. In Italien lief eine recht abgespeckte Fassung, hatte dafür ein Beiprogramm mit den drei kleinen Schweinchen. Dennoch wurden laut der italienischen Filmdatenbank comingsoon (neben Plane Crazy) weitere 11 Cartoons gezeigt, die hier gekürzt oder ungekürzt dem historischen Umriss der Maus folgten. Ich vermute daher, dass die italienische Variante eine reine Cartoon-Kollage gewesen war, in der die Dokumentaranteile größtenteils getilgt wurden.

Spanien brachte den Film später sogar als VHS auf den Markt. Dort ist am Anfang des Films eine Szene zu sehen, in welcher der moderne Micky auf sein über 40 Jahre älteres Alter Ego trifft. Diese Sequenz wurde laut meinen Recherchen für das US-Original erstellt und kann von diversen Anbietern auf YouTube bewundert werden. Laut Jim Hawkins war die Szene in der deutschen Fassung nicht zu sehen, sie soll jedoch in einem späteren Kompilationsfilm verwendet worden sein.

(spanische VHS)

         
(ganz links das originale US-Plakat)

        

  


Die deutsche Fassung

Die Zusammenstellung im Detail:

- Einführung Micky Maus (für den Film zusammen geschnittenes Archivmaterial)
-
Mickey's Service Station (schwarz-weiß / O-Ton)
-
Mickey's Fire Brigade
(O-Ton)
-
Umriss des Disneystudio-Neubaus (Archivmaterial)
-
The Pointer (schwarz-weiß / Ausschnitt / kein Dialog)
-
Lonesome Ghosts (synchronisiert)
- Ausschnitt aus
Fantasia
-
Micky Maus Spielzeug-Produkte (Kollage)
-
Micky Maus - Veränderungen über die Jahre (Kollage)
-
The Nifty Nineties (synchronisiert, gekürzt)
-
Mickey and the Seal (O-Ton)
-
Szenen mit Micky Maus aus Tricks of our Trade (Staffel 3, Episode 16, 13.2.1957)
-
Thru the Mirror (synchronisiert)
-
Szenen mit Donald Duck aus Tricks of our Trade (Staffel 3, Episode 16, 13.2.1957)
-
Donald's Vacation (O-Ton)
-
Hawaiian Holiday (O-Ton / gekürzt)
-
The Band Concert (O-Ton
-
Mickey's Birthday Party (synchronisiert, gekürzt)
-
Disneyland Park (Ausschnitt aus der Disneyland Story vom 27.10.1954, Disneys erster TV-Show überhaupt)

Synchronanalyse

Dean Jones bekam die Stimme von Joachim Cadenbach verpasst; Disney wurde standardmäßig von Friedrich Schönfelder eingesprochen. Ausgehend von der obigen Liste sind daneben lediglich vier Cartoons interessant.

- Lonesome Ghosts: Die auch später noch oft verwendete Kinofassung hat mit Harry Wüstenhagen (Micky) und Gerd Duwner (Goofy) die inzwischen etablierte Sprechercrew. Als Geister treten auf: Hans Schwarz, Jr. (bekannt als Bruder Tuck in Robin Hood), Erich Schwarz, Edgar Ott und Joachim Kemmer.

- The Nifty Nineties: Der mit Wüstenhagen und Eva-Maria Werth besetzte Streifen ist dagegen später nie mehr in den Handel gelangt. Frau Werth ist laut meinen Recherchen inzwischen als die am längsten eingesetzte Feststimme einer Disneyfigur identifiziert worden und hat damit Gerd Duwner um Längen überholt. Sie sprach die Mäusedame nahezu lückenlos bis zu ihrer Ablösung durch Diana Borgwardt um 1999. Im lustigen Cameo von Disneys Stammzeichnern spricht Heinz Palm in der deutschen Fassung Fred Moore. Die Stimme von Ward Kimball konnte noch nicht identifiziert werden. Die Gesangseinlagen verblieben hier im englischen Original, was damals im Cartoonbereich Standard war. Rausgeschnitten wurde die "Father dear Father" Sequenz.

- Thru the Mirror: Ebenfalls eine verloren gegangene Fassung mit Wüstenhagen als Micky Maus. Den Kartenkönig sprach erneut Heinz Palm, das Telefon hat die Stimme des oben erwähnten Unbekannten.

- Mickey's Birthday Party: Warum nun ausgerechnet der thematisch passendste Cartoon hier geschnitten wurde, ist eine der vielen Dinge, die man nicht verstehen muss. Die deutsche Bearbeitung mit Wüstenhagen, Duwner und erneut Eva-Maria Werth geriet, wie auch Lonesome Ghosts, über viele Jahre zur Standardfassung.