TEIL 5

Die Fuchsspur
Daniel Pratt Mannix
(* 1911)

Mannix kam im amerikanischen Pennsylvanien zur Welt. Berühmt wurde er weniger als Autor denn als Weltreisender, Zirkusartist und Zauberkünstler. Viele seiner autobiografischen Werke haben sich in einschlägigen Kreisen inzwischen zu Kultromanen entwickelt, so z.B. Memoires of a Sword Swallower (1950), Those about to die (1959) oder History of a Torture (1964), Bücher mit viel Sarkasmus und Sadismus und für Heranwachsende eher ungeeignet. Mannix Kinder-Geschichten sind dagegen eher unbekannt ... bis natürlich auf die von Disney in Szene gesetzte Story von Cap und Capper. Nachdem er beinahe die ganze Welt bereiste (u.a. verbrachte er drei Jahre in Afrika für seine Recherchen seines Buches Black Cargoes), sonnt er sich mitlerweile hochbetagt in seinem Heimatland Pennsylvanien und genießt den kleinen aber feinen Kultstatus, dem ihn seine Fans gaben.


Oliver Twist
Eine Weihnachtsgeschichte
Charles Dickens
(1812 - 1870)

Charles John Huffam Dickens erblickte im englischen Portsmouth das Licht der Welt. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, war er bereits mit zwölf Jahren gezwungen, sich den Lebensunterhalt in einer Fabrik selbst zu verdienen, da sein Vater 1824 wegen Schulden ins Gefängnis kam. Seine Kindheitsjahre, etwa von 1815-1822, verlebte er in Chatham-Rochester, wo er sich später eine Villa kaufte. In seiner Freizeit brachte er sich Lesen und Schreiben bei, so dass er ab 1926 besser bezahlte Anstellungen als Advokatenschreiber, Stenograph, Reporter und Parlamentsberichterstatter erhielt, bis er sich als Schriftsteller und Verleger in London selbstständig machte. Die Veröffentlichung von kurzen Skizzen über das Lebender britischen Hauptstadt brachten ihm 1836 den Auftrag ein, eine Erzählung über einen Amateursportclub zu schreiben. Als Reporter beim "Morning Chronicle" begann er seine Skizzen, die in Buchform als "Pickwick Papers" veröffentlicht wurden. Mit diesem Werk erzielte Dickens seinen literarischen Durchbruch. Dabei ging es Dickens nicht nur um den literarischen Erfolg, auch wollte er das Gewissen seiner Zeit wachrütteln und den Weg für soziale Reformen ebnen. Mit Oliver Twist (1938) gelang ihm dies in glänzender Weise, die außerordentlich gründliche Recherche spiegelte viele soziale Missstände seines Landes wider. Nicht minder berühmt wurden A Christmas Carol (1843) und David Copperfield (1849). Letzteres Werk fand besonders unter den literarischen Zeitgenossen, auch außerhalb Englands, großes Lob. Von 1858 an trat er in England und später auch in Amerika als Vorleser seiner eigenen Werke auf, und der Andrang war ungeheuer. In seinen letzten Lebensjahren wurde er kränklich und rastlos. 1870 starb er auf seinem Landsitz in Rochester, das er erst zwei Jahre zuvor erworben hatte. Er wurde in der Westminster Abbey beigesetzt.

Während Disneys Mickey's Christmas Carol von 1983 sich in die Reihe der wundervollen Verfilmungen um die Story des Ebeneezer Scrooge einreiht, wurde bei Oliver & Co. Dickens Bestseller nur als Grundgerüst für eine rührende Tiergeschichte benutzt.


Sherlock Holmes
Sir Arthur Conan Doyle
(1859 - 1930)

Wenn du das Unmögliche ausgeschlossen hast, muss das, was übrig bleibt,
die Wahrheit sein, wie unwahrscheinlich es auch ist.
(Sherlock Holmes)

A.C. Doyle wurde 1859 im schottischen Edinburgh als eines von 10 Kindern geboren. Seine Eltern Mary und Charles Altamont Doyle, der an Epilepsie erkrankte und zudem Alkoholiker gewesen war, ließen als strenge Katholiken ihren Sohn an den Jesuitenschulen in Hodder, Stonyhurst und Feldkirch (Österreich) lernen. Während dieser Zeit verlor Doyle den Glauben der streng römisch-katholischen Art, wenngleich ihn diese Periode sehr stark beeinflusste. Nach seiner Schulzeit schrieb er sich in der medizinischen Fakultät der Universität von Edinburgh ein. Er heiratete 1885 Louise Hawkins und promovierte ein Jahr später. Erwähnenswert ist, dass Doyle unter anderem bei Professor Joseph Bell studierte, der es sich stets zur Angewohnheit gemacht hatte, aus augenscheinlich unbedeutenden Fakten ungewöhnliche Rückschlüsse zu ziehen (!!).

Doyle praktizierte bis zu seinem 32. Lebensjahr als Arzt in Southsea. Um die geringe Patientenzahl finanziell abzufangen, veröffentlichte er nebenbei einige Kurzgeschichten in Zeitungen. Dabei erschien 1887 im Beeton Christmas Annual mit Eine Studie in Scharlachrot die erste Erzählung mit der Figur des Detektivs Sherlock Holmes. Kritik und Öffentlichkeit schenkten dem in der Tat noch recht hölzernem Werk kaum Beachtung. Doch sein Schöpfer wusste um das Potential seines Helden und ließ sich von der Kritik nicht beirren; 1890 zog er nach London. Mit dem zweiten Roman Das Zeichen der Vier stellte sich im gleichen Jahr langsam der Erfolg ein, so dass Doyle nun von seiner schriftstellerischen Tätigkeit leben konnte. Stark beeinflusst von Herman Melville und Edgar Allan Poe veröffentliche der Autor insgesamt vier Romane und 56 Kurzgeschichten um Sherlock Holmes und seinen Assistenten Dr. Watson. Trotz allen Erfolgs wurde Arthur Conan Doyle bereits 1891 seines Protagonisten überdrüssig und plante dessen Ableben. Seiner Mutter teilte er mit, dass ihn die Figur des Sherlock Holmes mittlerweile komplett einnehme und seinen Geist von "besseren Dingen" abhalte. In Das letzte Problem ließ er seinen Schützling 1893 auf mysteriöse Weise verschwinden. Als Reaktion darauf verlor das Strand Magazine, das Doyles Geschichten veröffentlichte, auf Schlag 20.000 Abonnenten.

1896 meldete sich Doyle freiwillig zum Militärdienst im Burenkrieg in Südafrika. Aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes wurde er aber nicht seines Wunsches gemäß direkt an der Front sondern als Lazarettarzt eingesetzt. 1902 wurde er für seine Verdienste im Burenkrieg, speziell für seine patriotisch-propagandistische Tätigkeit, die er auf eigene Kosten bestritt, geadelt. Sofort nach seiner Rückkehr setzt er seine schriftstellerische Arbeit fort und veröffentlichte noch im gleichen Jahr Der Hund von Baskerville, die wohl bekannteste Holmes-Story. Inzwischen gilt er bereits als Begründer des modernen Kriminalromans, dessen Einfluss von Agatha Christie über Edgar Wallace bis hin zur TV Figur Colombo unübersehbar geworden ist. Als sein Sohn 1918 im 1. Weltkrieg fiel, wendete sich Doyle dem Mystizismus und Spiritismus zu. Erst 1927 erschien der vierte und letzte Holmes-Sammelband The Case-Book of Sherlock Holmes. Sir Arthur Conan Doyle starb am 7. Juli 1930 in Crowborough, Sussex an einer Herzkrankheit.

Die Verbindung zu Disneys Basil, der große Mäusedetektiv muss wohl nicht näher durchleuchtet werden. Die etwas schwache Story kratzt nur sanft am Esprit der Meisterdetektivs und parodiert eher als Autentizität zu erreichen. Jede bislang erschienene Verfilmung um den Mann aus der Bakerstreet 221B ist um Längen besser.


Andersens Märchen (8 Bände)
Hans Christian Andersen
(1805 - 1875)

Andersen wurde in Odense auf der dänischen Insel Fünen als Sohn eines Schusters geboren. Besessen von dem Ziel, berühmt zu werden, verließ er mit vierzehn sein ärmliches Elternhaus und ging allein nach Kopenhagen. Aber den Gedanken an eine Karriere als Theaterschauspieler musste er sich bald aus dem Kopf schlagen. Jonas Collin, ein hoher Beamter, nahm den unangepassten Herumtreiber in die Familie auf und beauftragte seinen Sohn Edvard, dem aufgezwungenen Bruder Manieren beizubringen. Zwischen Collin und Andersen entwickelte sich eine Art Freundschaft, wenngleich der spätere Bankier den Dichter auf Distanz hielt und ihm zeitlebens das Du verweigerte. 1822 ermöglichte König Friedrich VI. von Dänemark dem begabten Siebzehnjährigen den Besuch der Lateinschule in Slagelsen. 1928 machte Andersen sein Abitur und ein Jahr später auch das Philosophikum. Ein Zitat Andersens aus jener Zeit war : "Die dänische Sprache ist keine Sprache, sie ist eine Krankheit !"

Nach Gedichten und humoristischen Berichten über seine Reisen durch Deutschland, Frankreich und Italien veröffentlichte er 1835 sein erstes Werk, den teilweise autobiografischen Roman Improvisatoren, der noch im gleichen Jahr unter dem Titel Jugendleben und Träume eines italienischen Dichters ins Deutsche übersetzt wurde. Doch all seine Erzählungen, Novellen und Dramen verblassten und verschwanden im Vergleich zu seinen insgesamt 175 Märchen und Geschichten, die er liebevoll aus dänischen, deutschen und griechischen Sagen, historische Begebenheiten, dem Volksglauben verbunden und inspiriert von literarischen Strömungen seiner Zeit schuf. Märchen wie Die Prinzessin auf der Erbse oder Däumeline gelten als die bedeutsamsten Kunstmärchen des Biedermeier. Andersen achtete stets darauf, dass die Geschichten auch von Kindern verstanden werden konnten und quasi wie gesprochen klingen. Mit 30 Auslandsaufenthalten in Europa knüpfte Andersen viele Freundschaften, besonders in Deutschland, und war stets ein gerngesehener Gast bei Künstlern und bei Hofe. Doch trotz vieler Freunde und der Sehnsucht nach Familie blieb er Junggeselle und litt Zeit seines Lebens unter dem Alleinsein. Er starb am 4. August 1875 in Kopenhagen an Leberkrebs.

Disney griff bei einer derartigen Märchensammlung natürlich mehr als einmal auf diesen Schatz zurück. Das hässliche kleine Entlein wurde gleich zweimal als Silly Symphony verarbeitet, Der standhafte Zinnsoldat fand seinen Weg in die musikalische Reise von Fantasia 2000 und selbst Ein Königreich für ein Lama basiert im Grunde auf Des Kaisers neue Kleider (The Emperor's new suit / new groove). Auch halten sich bis heute standhaft die Gerüchte, dass Die Schneekönigin eines Tages von Disney auf Zelluloid gebracht werden wird. Das alles überstrahlende Märchen von der kleinen Meerjungfrau aus dem Jahre 1836 stellt jedoch die glorreichste Verbindung zwischen Disney und Anderson dar. Ungeachtet von Zahlen und Statistiken ist diese Geschichte eines der beliebtesten Märchen überhaupt. Nicht ohne Grund wacht die Figur, in Bronze gegossen, als Wahrzeichen noch heute über den Hafen der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.


Die Schöne und das Biest
Jeanne Marie Leprince de Beaumont
(1711 - 1780)

Miss Beaumont kam im französischen Rouen zur Welt. Bis zu ihrem ersten Erscheinen als Autorin ist bislang nur wenig bekannt. Eine sehr frühe Ehe mit einem Adeligen wurde aufgrund des Skandals rasch wieder annuliert. Sie wurde nach London auf eine Privatschule "für bessere Kreise" geschickt, um ihrer eigenwilligen Art Herr zu werden. Genutzt hat es zum Glück wenig; 1784 erschien ihr erstes Buch Der Triumph der Wahrheit. Sie gab Magazine und pädagogische Werke über Kindererziehung heraus und verlegte schließlich ihr eigenes Nouveau Magazine français, von 1750 bis 1780 erschienen davon insgesamt 40 Ausgaben. Darunter befand sich auch ihre berühmteste Geschichte Die Schöne und das Biest (1757). Beaumonts Werke, die nicht selten vor allem Jugendliche zu selbstständigem Denken aufforderte, verschaffte ihr ebenso häufig Hohn und scharfe Kritik gleichzeitig. Die Magazines pour les enfants, Magazines des adolescents und Magazines des pauvres könnte man spitzfindig fast als Bravo des 18ten Jahrhunderts betiteln. Unbestritten ist, dass Miss Beaumont weit vor ihrer Zeit lebte. Mit 50 Jahren kehrte sie nach Frankreich zurück und ging mit Thomas Pichon eine nun offizielle Ehe ein, aus der sechs Kinder hervorgingen.

Disney vermengte die Grundstory Beaumonts mit romantischen Bildern eines Neuschwansteins und dem Gruselfaktor der Frankenstein-Autorin Mary Shelley zu einem düster-melancholischem Gesamtkonzept, das in dieser Art bislang noch auf eine Realverfilmung wartet.



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