TEIL 3

Peter Pan
James M. Barrie
(1860 - 1937)


Als neuntes von zehn Kindern einer Arbeiterfamilie war James stets begeistert, wenn seine Mutter ihm und seinen Geschwistern abends Abenteuergeschichten vorlas, besonders "Die Schatzinsel" von R.L. Stevenson. Nachdem sein Bruder David bei einem Eislauf ums Leben kam, begann zwischen ihm und seiner Mutter eine sehr intensive Beziehung, die sein Leben prägen sollte; bereits mit 13 verließ er seine Heimatstadt Kirremuir in Forfashire. In der Schule galt er als Außenseiter und interessierte sich nicht für das andere Geschlecht. Begeistern konnte er sich nur für das Theater und Geschichten von Jules Verne, Mayne Reid und James Fenimore Cooper. Nach einem erfolgreichen Abschluss an der Universität von Edinburgh 1882 arbeitete Barrie als Journalist für das Nottingham Journal. Drei Jahre später zog er mit leeren Taschen als freischaffender Autor nach London. Seine meist humorvollen Geschichten waren schnell beliebt und bald wandelte er in literarischen Kreisen, u.a. gehörten keine Geringeren als G.B. Shaw, H.G. Wells und Arthur Conan Doyle zu seinem Bekanntenkreis. 1891 schrieb er mit dem Bühnenstück The Little Minister einen seiner größten Erfolge, der mittlerweile sechsmal verfilmt wurde. 1902 tauchte in Barries Novelle The Little White Bird zum ersten mal ein kleiner Junge mit Namen Peter Pan auf. Sein Schöpfer erkannte das Potential dieser Figur und brachte zwei Jahre später das Bühnenstück heraus, das ihn für alle Zeiten unsterblich machen sollte. Nach zahllosen Überarbeitungen erschien jedoch erst 1911 die definitive Endfassung Peter and Wendy, die Barries Stand als erfolgreicher Theaterschreiber für immer sicherte. Seine ehemalige Universität in Edinburgh ernannte ihn 1930 zum Ehrenvorsitzenden, ein Amt, dass Barrie bis zu seinem Tod ausübte.

Die Geschichte von Peter Pan war laut Überlieferung Walt Disneys Lieblingsgeschichte überhaupt. Sie kam in die engere Wahl zum ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm, wurde aufgrund der damaligen Technik im Kontrast zu Disneys Vorstellungen noch als unrealisierbar eingestuft. Unnötig zu sagen, dass Walt besonders viel Liebe und Authentizität in das Projekt steckte.


Happy Dan, der pfeifende Hund
Ward Greene
(1865 - 1936)

Die Story von Susi und Strolch (The Lady & the Tramp) ist die lose Zusammenfassung zweier Geschichten. Die erste stammte von Ward Greene, der in Amerikas größtem Comicverlag King Features als Editor arbeitete und durch die Disneycomics einen gewissen Kontakt zu den Studios pflegte. 1937 schrieb Greene Happy Dan, the Whistling Dog, das noch im selben Jahr Walt Disney selbst in die Hände fiel. Dieser war entzückt, für eine Umsetzung auf die Leinwand reichte der Inhalt jedoch nicht. Joe Grant, Disneys großer Karikaturist, bastelte zur selben Zeit ebenfalls an einer Hundestory mit Namen Miss Patsy, the beautiful Spaniel, basierend auf Grants eigenem Schoßhündchen, einer Cockerspanieldame. Genau das war es, was Disney noch gefehlt hatte. "Dein Hund und mein Hund müssen zusammen kommen" riet er Greene und bat diesen, die Geschichte noch einmal neu zu schreiben. Ward legte sich ins Zeug und präsentierte Disney 1943 stolz sein Machtwerk. Obwohl sofort mit der Arbeit an einem Script begonnen wurde, verschwand die Idee dennoch für über zehn Jahre in den Schubladen. Als man sich erneut der Story annahm, waren aus den Hauptakteuren inzwischen namenlose Hunde geworden, sehr zum Leidwesen übrigens von Autor Ward Greene und den RKO-Sponsoren.

Strolch war übrigens eine Entdeckung des Storymans Erdman Penner, der wie alle anderen damals darüber brüteten, wie dieser Hund denn nun auszusehen hat. Eines Tages sah er einen Hund in den Büschen des Disney Studios verschwinden. Voller Begeisterung über das struppige Vieh startete Penner eine Suchaktion, die erst Tage später beim städtischen Hundefänger endete, wo sie den Hund, der sich zudem noch als Weibchen entpuppte, kurz vor seiner/ihrer Einschläferung retteten. Nach Drehschluss zu Susi & Strolch lebte die Hündin weiterhin glücklich im Backstagebereich der Ponyranch Disneylands.


Hundert und ein Dalmatiner
Dodie Smith
(1896 - 1990)


Dodie Gladys Smith wurde im englischen Lancashire geboren. Ihr Vater starb bereits zweieinhalb Jahre später an Krebs und so zogen sie und ihre Mutter in die Obhut ihrer Familie nach Manchester. Angeregt von Dodies Onkel Harold, einem zweitklassigen Theatermimen, begann sie sich früh für die Schauspielerei zu interessieren; mit 13 stand sie zum ersten Mal auf der Bühne. Sie besuchte die Royal Academy of Dramatic Art in London und zog in eine Kommune für weibliche Künstler. Doch das Theater schien nicht das richtige für Dodie zu sein und so musste sie sich ab 1923 als Möbelverkäuferin durchschlagen, bis eine Freundin sie dazu ermunterte, als Theaterschreiberin ihr Glück zu versuchen. Eine weise Entscheidung, wie sich später heraus stellen sollte. In nur sieben Jahren wurden ihre ersten fünf Bühnenstücke an Londoner Theatern erfolgreich aufgeführt und die Presse lobte sie als die "Verkäuferin, die das Theater beflügelt". Dodie verliebte sich in ihren Arbeitskollegen Alec Beesey, sie flüchteten vor dem Krieg nach Amerika und heirateten 1939 in Philadelphia. Übrigens hatten beide je einen Dalmatiner (!) aus London und in die Ehe gebracht. Leider starb ihr Liebling Pongo (!!) ein Jahr später und beide waren der Meinung, nur ein Paar neuer Dalmatiner könnte ihren Schmerz darüber lindern. Damit zogen Folly und Buzz in das traute Heim ein und beglückten Herrchen wie Frauchen 1943 mit 15 (!!!) kleinen Welpen. Inzwischen war Dodie eine begehrte Drehbuchautorin geworden und arbeitete u.a. mit Billy Wilder an diversen Filmen. Doch nur den Hunden zuliebe zogen sie und Ihr Mann erst 1953 wieder nach England; die Quarantäne- bestimmungen waren vorher noch zu hart gewesen. Drei Jahre später veröffentlichte Mrs. Beesey ihren zweiten Roman The Hundred and One Dalmatians. Selbstredend wurde auch dieser wie alle ihre Arbeiten von Erfolg gekrönt. Bis ins hohe Alter schrieb sie weiterhin umjubelte Bücher für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.


Das Dschungelbuch
Joseph Rudyard Kipling
(1865 - 1936)


Rudyard Kipling, der 1907 als erster Brite den Nobelpreis für Literatur entgegen nahm, gehört zu den erfolgreichsten Autoren Englands.
Kipling kam im indischen Bombay zur Welt, damals noch britische Kronkollonie. Sein Vater unterrichtete an der JeeJeebhoy Kunsthochschule und seine Mutter entsprang einer Künstlerfamilie. Mit sechs kam er nach England und verbrachte fünf unglückliche Jahre in einem Pflegeheim. Nach weiteren drei Jahren auf dem United Service College von Devon kehrte Kipling 1882 nach Indien zurück und arbeitete in Lahore als Journalist für eine Militärgazette. Seine Kurzgeschichten und Verse wurden mit der Zeit immer beliebter und machten ihn auch in England rasch bekannt. Mit Gunga Din landete er 1988 einen riesigen Erfolg und kehrte darauf in seine Heimat zurück. Er heiratete die Tochter eines namhaften Verlegers und zog mit ihr nach Vermont in die Vereinigten Staaten, kehrte nach dem Tod seiner Tochter jedoch erneut nach Britannien zurück. Während dieser rastlosen Jahre (auch in Afrika lebte er zeitweilig) erschienen seine besten Werke wie Many Inventions, The Seven Seas, Captains Courageous (mit Spencer Tracy 1932 verfilmt) und natürlich The Junglebook und The second Junglebook. Der Tod seines Sohnes an der Front des 1. Weltkrieges veränderte den lebenslustigen Mann, seine Werke wurden rarer und zugleich düsterer. Von 1922 bis 1925 war er Rektor an der Universität von St. Andrews. Kipling starb am 18. Januar 1936 und wurde in der Poet's Corner in Westminster Abbey beigesetzt, die höchste Ehrung für einen britischen Autoren.



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